Wir verwenden Cookies
Wenn Sie unsere Webseiten besuchen, kann Ihre Systemsoftware Informationen in Form von Cookies oder anderen Technologien von uns und unseren Partnern abrufen oder speichern, um z.B. die gewünschte Funktion der Website zu gewährleisten.
Die vietnamesische Küche hat in einigen Großstädten gehypt. Ich kann mich noch gut an einen kleinen Laden in Düsseldorf erinnern, wo die Leute Schlange standen, um dann auf einem Fensterbrett eine Suppenschale leerzulöffeln. In Berlin ist die vegane Richtung stark verbreitet. In Bremen köchelt es eher auf niedrigem Verbreitungsniveau.
Ein ausführlicher Bericht in unserem Weser-Kurier machte mich dann aufmerksam auf die Neueröffnung des Mr. Trung in Vegesack, gleich am Utkiek an der Weser, also einer sehr exponierten Lage. Frau Thu Huong Doan ist die Wirtin. Bremen-Norder werden sie vielleicht noch aus dem Chinarestaurant Aumunder Garten kennen.
In dem Artikel wird als Philosophie hervorgehoben, dass Brühen, Pasten und Gewürzmischungen selbst hergestellt werden und wie zu Hause gekocht werde. Das klang sympathisch und so wurde reserviert. Das gelang erst nach mehreren Versuchen über eine Handynummer und einen Rückruf.
Eine Internetseite pflegt Mr. Trung nicht.
Am besuchten Freitagabend waren vier Tische besetzt, aber die Reservierungslage für den weiteren Abend schien gut zu sein. Eher älteres Publikum war auszumachen.
Wir haben nur einen kleinen Ausschnitt der Küche erleben dürfen, angesichts der Vielfalt der Karte, auch mit einem Sushi-Schwerpunkt. Das zu erschließen, ist einen Besuch im Mr. Trung wert, auch wenn unsere eher traditionelle Auswahl keine Aha-Erlebnisse hervorrief.
Das Preis-Leistungsverhältnis kommt bei mir über 3,5 Sterne angesichts der happigen Getränkepreise nicht hinaus.
Service:
Am Tisch erlebt man die Wirtin Frau Thu Huong Doan. Ihrer Biographie nach zu urteilen, muss sie vierzig plus sein, was man ihr nicht ansieht; vielleicht sind Ingwer, Algen & Co. doch ein Jungbrunnen.
Angenehm, dass sie freundlich lächelnd und mit humoriger Ansprache agiert. Wünschenswert wäre es, wenn sie mit den Karten und der Tischzuweisung auch schon nach einem Getränkewunsch gefragt hätte. Für den musste ich mir ihre Aufmerksamkeit erkämpfen. Dann flutschte es aber mit der Erfrischung.
Bei der Order unserer Speisen brachten wir wieder unseren üblichen Pausenwunsch zwischen Vor- und Hauptspeisen an. Das wurde für Frau Doan dann so etwas wie ein Running Gag (Pause auch nach den Hauptspeisen und vor dem Bezahlen …). Ob sie uns ernst genommen hat, weiß ich nicht. Im Ergebnis stimmte aber der Abstand.
Unterstützt wird Frau Doan durch einen jungen Mann und eine Tresenkraft.
Für den Humor gibt es zur Basisbewertung noch einen halben Stern drauf: 3,5.
Für das Bremer Konzernbier muss man sage und schreibe 4,20 € für 0,3 l berappen, bislang einsamer Spitzenwert auch nach der jüngsten Preiserhöhungswelle in der Bremer Gastronomie. Auch das Wasser mit 6,90 € für 0,75 l bepreist, ist sportlich. Da sind die beiden offenen Weine mit 5,50 €/0,2 l moderat angesetzt. Ausgegeben wird von Frau Doan nichts. Das getrunkene vietnamesische Bier ist mit 4,00 € für 0,355 l angesichts der zurückgelegten Seepassage schon fast günstig, aber als schlichtes Lagerbier für den asiatischen Geschmack kein ernstzunehmender Konkurrent für gut gehopftes Pils, wozu das Konzernbier von der Weser schon lange nicht mehr zählt.
Essen:
Die Karte ist für das kleine Restaurant erstaunlich umfangreich:
3 Suppen
6 x Fingerfood, darunter Rollen
5 Salate
16 Hauptspeisen, darunter auch die berühmte Suppe Phò
Sushi: Maki, Nigiri
Sashimi
Hot Rolls
Wir entschieden uns für eine Miso Suppe (3,90 €), Wan Tan mit Garnelen (4,90 €) und zwei Frühlingsrollen (5,90 €).
Meine Suppe reichlich und heiß mit guter Brühe und ansonsten etwas Seetang als Geschmacksträger. Die Tofustückchen weich und geschmacksneutral. Die beiden Frühlingsrollen knusprig und mit kohliger Füllung, dazu passte das frische Limettendressing. Die ausgebackenen Garnelen mit der üblichen süßlichen Soße, hier mit guter Ingwernote.
Alles gut essbar, aber asiatischer Mainstream.
Dann gebratenes Hühnerfleisch mit Gemüse und Cashewkernen und der Soßenalternative pikant mit Knoblauch (Currysoße mit Zitronengras wäre die andere Alternative gewesen, 14,90 €). Ich wählte das Gericht mit Rindfleisch und der Currysoße (15,90 €). Dazu wurde uns eine Schale Klebereis serviert.
Meine Begleiterin war mit ihrem Gericht gut zufrieden, was ich nach einem Löffel verstehen konnte. Mein Gericht erinnerte mich an Schonkoste. Die Rindfleischstreifen kaum angebraten und die wenige Currysoße mit Kokosmilch viel zu flau. Das war eine Enttäuschung, zumal ich vor Kurzem auf Norderney im Bambusgarten eine ähnliche Zubereitung mit sehr ausgeprägter Currynote auf dem Teller hatte.
Bei diesem Besuch mag ich über 3,5 Sterne nicht hinauszugehen. Beim nächsten Mal muss es dann die Phò sein und etwas aus der Japanabteilung der Karte, um ein geschlosseneres Bild über die Küchenleistung zu erhalten.
Ambiente:
Man sitzt im Mr. Trung in einem kleinen offenen Gastraum an dunklen Holztischen auf hellem Fliesenboden. Die Tische sind akzeptabel dimensioniert und nicht zu eng gestellt. Die Dekoelemente vietnamesischer Provenienz an den Wänden und herunterhängend halten sich in Grenzen. Für einen gemütlichen Abend ist am ehesten noch die Tischreihe an der Fensterseite geeignet, ansonsten sitzt man eher kantinenmäßig.
Getragene Musik läuft im Hintergrund.
Sauberkeit:
Nichts zu bemäkeln.