"Ein wirklich gelungener Start"
Geschrieben am 22.07.2019 2019-07-22 | Aktualisiert am 23.07.2019
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"Ein Brauhaus in dem man wirklich gut essen kann"
Geschrieben am 12.07.2019 2019-07-12
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"Frühstück: neoBiota"
Geschrieben am 07.07.2019 2019-07-07 | Aktualisiert am 07.07.2019
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"Süßes kann auch unterhaltsam sein"
Geschrieben am 23.06.2019 2019-06-23
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"So viel mehr als gutes Essen und Trinken - eine Liebeserklärung"
Geschrieben am 21.06.2019 2019-06-21
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"Eric Werner startet sein eigenes Restaurant"
Geschrieben am 15.06.2019 2019-06-15
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"Das Mittelmeer in der Kölner Südstadt"
Geschrieben am 14.06.2019 2019-06-14 | Aktualisiert am 14.06.2019
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"Am Lauertisch singt mir Sankt Martin"
Geschrieben am 11.06.2019 2019-06-11 | Aktualisiert am 19.10.2019
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"Am 29. 9.2019 wird geschlossen"
Geschrieben am 11.06.2019 2019-06-11
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"Heimatküche reloaded"
Geschrieben am 07.06.2019 2019-06-07
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"Kneipe mit Charme"
Geschrieben am 06.06.2019 2019-06-06
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"Traditionslokal im Agnes-Viertel"
Geschrieben am 05.06.2019 2019-06-05
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"Kleines Lokal an der Eigenstein-Torburg"
Geschrieben am 05.06.2019 2019-06-05
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"Speisen neben einer romanischen Basilika in ruhiger Lage"
Geschrieben am 03.06.2019 2019-06-03
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"Spargelmenü in fünf Gängen"
Geschrieben am 24.05.2019 2019-05-24 | Aktualisiert am 24.05.2019
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"Gutes Essen und schöne Weine"
Geschrieben am 24.05.2019 2019-05-24 | Aktualisiert am 24.05.2019
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"Menü mit Steigerungen - aber bitte etwas flexibler!"
Geschrieben am 22.05.2019 2019-05-22 | Aktualisiert am 22.05.2019
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"Tolle Torten"
Geschrieben am 16.05.2019 2019-05-16 | Aktualisiert am 16.05.2019
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"Ein Menü in Erinnerung an große Küchenmeister"
Geschrieben am 11.05.2019 2019-05-11 | Aktualisiert am 11.05.2019
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"Chinesisch abseits von süß-sauer"
Geschrieben am 09.05.2019 2019-05-09
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Von 2008 bis 2009 kochte er bei Berthold Bühler in der „Résidence“ in Essen.
Danach war er von 2009 bis 2010 Sous Chef bei Heiko Antoniewicz.
Anschließend war er bis Ende 2011 als Sous Chef des Clara von Krüger im „Spatzenhof“ bei Philipp Wolter in Wermelskirchen tätig.
2012 wurde er Küchenchef im „Résidence“ in Essen, bis Ende 2014 teilte er die Aufgabe gemeinsam mit Erik Arnecke. Ab Anfang 2015 war er alleiniger Küchenchef.
2017 wurde er nach Schließung (Bühler ging in den Ruhestand) neuer Küchenchef im Restaurant „Himmel un Äd“ im Hotel Im Wasserturm in Köln. Im Mai 2018 wurde jedoch das Himmel un Äd (überraschend) geschlossen.
Ab 1. August 2019 wird er nun Chef und Koch in seinem eigenen Lokal „astrein“.
Ich fand es großartig, dass YouDinner zu einer „Vor-Eröffnung“ eingeladen hat.
Ambiente
Die Krefelder Straße am Bahnhof Hansaring ist sicher nicht die schönste Gegend in Köln. Aber hier liegt das „Le Moissonnier“ ** und damit das Restaurant mit den höchsten Werten in Ranglisten.
Und nun findet sich hier auch Eric Werner, der auch schon Sternekoch war.
Das neue Lokal sieht von außen recht unscheinbar aus. Graffiti auf den Rollläden. Aber drinnen ist das anders. Mehrere Monate dauerte die Renovierung. Und es ist ein Bistro mit mehreren Raumteilen entstanden: Drei Bereiche für Gäste und auch für Küche und Theke ist ordentlich Platz vorhanden.
Im Hauptraum zur Straße sind die beiden Wände gestaltet worden. Vom Eingang aus links ist ein Urwald-Motiv mit vielerlei Affen angebracht. Es soll den Großstadt-Dschungel verbildlichen. Ab der anderen Seite ist ein großer Spiegel aufgehängt.
Dazwischen war unsere Tafel heute aufgebaut. Die Tische standen alle zusammen und so konnten 24 Personen Platz finden. Die drehbaren Sessel waren bequem zum Sitzen. Es war „gemütlich eng“ zum Nachbarn.
Kupferfarbene Leuchten an der Decke gaben gedämpftes Licht. - Tische, Sessel und Fußboden sind dunkel gehalten.
Für unsere Runde war das alles in Ordnung. Für ein Essen zu Zweit hätte ich jedoch gerne etwas mehr Bewegungsfreiheit.
Aber wie Tische am Ende angeordnet werden, ist noch offen. Eric Werner probiert das noch mit seinem Restaurant-Leiter aus.
Sauberkeit
Alles wirkte gut gepflegt (ist ja auch alles neu).
Die Toiletten befinden sich im Keller und sind über einige Stufen zu erreichen. Die Anlage wurde neu errichtet.
Service
Der Restaurant-Leiter ist schon da; aber das weitere Personal ist noch nicht im Einsatz. Heute machten Catharina von YouDinner und Thomas Minderop den Service. Und der klappte gut.
Auch in der Küche stand noch nicht die endgültige Crew am Herd. Extra für uns hatte Eric Werner einige Koch-Kollegen als Verstärkung geholt. Er berichtete, dass alle schon mit ihm gearbeitet haben – in Essen oder in Köln. So erkannte ich zum Beispiel Sven Wesholek, der bei „Top Chef Germany“ von SAT 1 mitgemacht hatte und früher Souschef bei Eric gewesen war.
Die Karte(n)
Die erste Karte ist im Internet schon veröffentlicht. Es wird zwei Menüs geben – und sogar einen täglichen Mittagstisch.
Die Küchenrichtung wird auf der Homepage so beschrieben: „Auf unserer Karte stehen klassische Gerichte mit internationalen Akzenten. Wir kochen kreativ und mit viel handwerklicher Präzision. Wir legen Wert auf eine frische, leichte Küche, mittags wie abends. Unser Anspruch ist es, dass Sie sich wohlfühlen, genießen und auf jeden Fall wiederkommen.“
Der Name „astrein“ soll dies sicher unterstreichen. Umgangssprachliches Adjektiv mit drei Aussagerichtungen: frei von Ästen (wörtlich gesehen); aber auch moralisch einwandfrei (die Sache hat keinen Haken); gut oder sogar sehr gut (die Sache ist gelungen).
Menü Fleisch und Fisch
1: Gebeizter Heilbutt mit Ingwerschaum, Apfel-Gurken Relish, Wasserkastanie, Gillardeau Auster Nr.0 und Bronze Fenchel
2: Velouté vom Porree mit Hechtkloß, Adretta Kartoffel leicht geräuchert und Brunnenkresse
3: Federstück vom Iberico Schwein mit gegrilltem Römersalat, schwarzen Nüssen, Soße von Spitzpaprika, Pinienkernen und Salzzitronen, Mojo Verde
4: Zweierlei vom Münster Weiderind, Rücken und geschmorter Bug mit roter Zwiebelmarmelade, glasiertem Chicorée und Ribisel-Balsamico Jus
5: Käse vom Wagen mit verschiedenen Chutneys und Früchtebrot
6: Savarin in Orangenblüten Sirup getränkt, Dickmilch Mousse mit Zitronenthymian und Himbeer-Champagner Eis
6-Gang Menü 95€ - 5-Gang Menü 85€ - 4-Gang Menü 75€
Menü Bützchen Vegetarisch
1: Terrine vom Portobello mit Parmesan und schwarzem Trüffel, Friéesesalat, grüner Spargel, Pedro Ximenez Vinaigrette - à la carte 28€
2: Hermanns Kaltschale von roten Früchten und Gemüsen, Haferflocken - à la carte 19€
3: Gefüllter Raviolo mit Bergischem Landei, kleiner Gemüse Eintopf und Ackerspinat Soße - à la carte 24€
4: Gebratene Steinpilze mit Parmesan Risotto, Petersilien-Gremolata, getrocknete Strauchtomaten und Schnippelbohnen - à la carte 26€
5: Geschmorte Zucchini Blüte mit Brandade von Snocciolate Oliven, Auberginen-Dattel-Minz-Kompott - à la carte 28€
6: Bretonischer Sablé mit Portwein-Balsamico Mousse, Herzkirschen und Sauerrahm Eis - à la carte 12€
6-Gang Menü 95€ - 5-Gang Menü 85€ - 4-Gang Menü 75€ - Alle Gänge können auch einzeln als à la carte Gerichte bestellt werden.
Die verkosteten Speisen
Für den heutigen Abend gab es einen Querschnitt durch die zukünftige Karte, mit kleinen Varianten.
0: Dreierlei Brot mit Butter und Gemüseaufstrich – Grüße: Pilz-Praline, Möhrentörtchen, Rote-Bete-Kartoffel-Puffer
Das Brot war in Ordnung. Die beiden Aufstriche waren schmackhaft. Die Pilz-Praline hat mir besonders zugesagt. Sie war außen knusprig und innen weich und hatte starke Pilzaromen. Die kleine Möhren-Kreation war harmonisch gewürzt und hatte noch leichten Biss. Auch die Rote Bete mit einer Creme auf einem kleinen Kartoffel-Kuchen war aromatisch.
Also ein schöner Start in den Abend.
1: Gebeizter Heilbutt mit Grünen-Früchte-Gemüse, Ingwerschaum, Gillardeau Auster und Bronze-Fenchel
Der Fisch war angenehm gewürzt und hatte eine feste Struktur. Um das Filet herum war die feingeschnittenen Gemüse angerichtet. Etwas Salat, eine Blüte und winzige Zucchini-Stücke, sowie der Fenchel komplettierten die Beilage. Ein Gemüsesud und Ingwerschaum gaben die Würze ab. Die Auster lag auf dem Fischfleisch und passte harmonisch dazu.
Ein durchaus gelungener Teller.
2: Terrine vom Portobello mit Parmesan und schwarzem Trüffel, Grüner Spargel, Erbsensalat und Balsamico-Kalbsvinaigrette
Die Terrine allerdings hat mir noch mehr zugesagt. Die Pilze waren in einer kräftigen Sülze eingelegt. Zusammen mit Käse und Trüffel hat mir das ausgezeichnet gemundet. Der Spargel, der Friéesesalat und die kleinen Erbsenkerne rundeten den Teller überzeugend ab. Die Vinaigrette war ebenfalls herrlich kräftig und würzig.
Für mich ein besonderer Teller in einem gelungenen Menü.
3: Gefüllte Zucchiniblüte mit grüner Olivensauce, Getrocknete Honigtomaten
Auf jeden Fall sah der Teller gut aus. Auf dem weißen Porzellan kamen die Farben sehr gut zum Ausdruck. Eric Werner erzählte, dass er eine besondere Vorliebe für „Teller“ hat. Daher sind in seinem Restaurant sehr unterschiedliche Produkte im Gebrauch. Mir persönlich erscheinen viele farbige Teller mit zusätzlichen Motiven jedoch weniger geeignet die Gerichte zu Geltung zu bringen. Ich möchte Teller und Zutaten klar unterscheiden können. Aber sicher sind auch „Sammelteller“ etwas Originelles: Meine Terrine im Gang davor zum Beispiel verschwand fast in einen „Dschungel-Motiv“, meine Nachbarin hatte dagegen einen „Papst Johannes XXIII-Teller“ erwischt. Aber geschmeckt hat es uns beiden.
Zurück zum dritten Gang. Mir haben hier die kleinen Tomaten großartig geschmeckt. Sie zeigten Süße und Säure in einem hervorragenden Verhältnis. Die Zucchini-Stücke und die Olivensauce passten auch gut zusammen. Mit der gefüllten Zucchini-Blüte konnte ich hingegen weniger anfangen. Die Füllung war in meinen Augen eine Art Püree und kam mir relativ geschmacksarm vor.
Mir hat daher diese Komposition insgesamt weniger zugesagt, aber sie war auch kein Ausreißer nach unten. Einige Nachbarn fanden den Teller sogar besonders gut. Es bleibt eben Geschmackssache!
4: Kabeljau mit Räucherfischsauce mit Grünkern-Wurzelgemüse und Rotwein-Nudelblatt
Der Kabeljau war wohl sanft pochiert worden. Er zerfiel in kleine Lamellen noch der Berührung durch den Löffel und butterzart. Vorher war er jedoch zusammenhängend und fest in der Struktur. Für mich war der Fisch perfekt zubereitet.
Das Rotwein-Nudelblatt habe ich abgehoben und separat probiert. Und so schmeckte es wie perfekte Pasta. Das Wurzelgemüse war sehr fein geschnitten und so gegart, dass es noch leichten Biss hatte.
Die Räucherfischsauce fand ich sehr passend und verfälschte die Fischaromen für mich nicht; aber einige Nachbarn am Tisch fanden sie zu kräftig zum zarten Kabeljau.
5: Bäckchen vom Weiderind mit Geschmorter Kartoffel und Lauch mit Madeirasauce
Meistens sagen mir „Bäckchen“ nicht besonders zu; wenn sie sehr weich sind, geht das für mich gar nicht. Aber hier war alles prächtig. Das Fleisch war saftig und hatte noch Struktur. Die Würze – unterstützt vom der Madeirasauce – war perfekt. Obenauf lagen frittierte knusprige grüne „Fäden“. Sie erzeugten im Mund neue Aromen zum Fleischgeschmack.
Auch die Lauchabschnitte waren leicht gebraten, aber auch noch fest und saftig.
Die geschmorte Kartoffel war zylindrisch geform worden und hatte einen knusprigen Deckel.
6: Himbeer-Joghurt-Cream mit Zitronenthymian und Bretonischer Zucker-Keks
Auf dem Teller war links eine Nocke aus heller Creme. Im Mittelpunkt stand ein Türmchen aus dem runden Keks als Fundament, einer Schicht weißer Creme darüber, einen geleeartigem Zwischenstück und der roten Abschluss-Haube obenauf. Rechts daneben befanden sich noch zerlegte Himbeer-Frucht-Stücke.
Für mich muss ein Nachtisch eine gewisse Süße vorweisen; und ich habe auch gelegentlich Probleme mit den neuen Gemüse-Kompositionen auf dem Teller geschmacklich zurecht zu kommen. - Hier war aber alles genau richtig für mich. Die Zuckernoten war dezent und nicht klebrig aufdringlich. Der Keks war knusprig und aromatisch. Die Fruchtnoten bei den weiteren Zutaten konnte ich deutlich schmecken.
Also war auch das Dessert für mich gelungen.
Ach ja, am Ende gab es auch noch ein paar feine Pralinchen.
Getränke
Mineralwasser
Cocktail: Asbach Aperitif Rosé , Gin, Tonic, Eis
Kräuter-Cocktail aus den Zutaten der Beize zum Heilbutt
Der Aperitif war erfrischend und harmonisch, wenig Säure oder Bitterkeit, sondern mild und fruchtig.
Das Getränk aus grünen Kräutern hat mich mit seinen Aromen überrascht, er passte gut zur Vorspeise. Gut gekühlt wurde er in schwarzen Probiergläsern serviert.
2016 Les Hauts de Montarels - Chardonnay – Cotes de Thongue, Languedoc
2017 Herdade do Rocim - Touriga Nacional – Alentejano, Portugal
Herbert Beaufort - Cuvée Yllen - Pinot Noir Brut Rosé - Champagne - Grand Cru 'Bouzy'
Die beiden Weine waren gut gekühlt und durchaus schmackhaft; aber es gibt sicher noch etwas Luft nach oben, denn sie waren gefällig – aber ohne Ecken und Kanten, eben etwas eindimensional für mich. Der Rosé passte gut zum Nachtisch.
Fazit
4 – gerne wieder. Sowohl den Mittagstisch als auch das komplette Abendmenü möchte ich zeitnah verkosten und die Entwicklung des Lokals damit weiter verfolgen. Eric Werners Einstellung zum Essen gefällt mir. Wenn die Raumenge nicht zu groß sein wird bzw. die Tische zu nah stehen und der Service so freundlich bleibt, könnte ich hier ein neues „Lieblingsrestaurant“ gefunden haben.
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
Datum des Besuchs: 20.07.2019 – abends – 1 Person (24 Teilnehmer*innen)
Meine Genießer-Erlebnisse stehen auch bei http://kgsbus.beepworld.de/archiv.htm